Vielleicht ein Roadrunner oder ein Opossum?  In Texas ist das nichts ungewöhnliches.
Als Heinrich vor 18 Jahren von Deutschland hierher gezogen war und ein Stück Land 10 km östlich von Friedrichsburg gekauft hatte, um dem deutschen Alljahreswetter zu entfliehen, gab es viele neue Eindrücke und Erlebnisse.  An dem Bach auf seinem Grundstück zählte er 22 verschiedene Sorten Wildblumen incl. der leuchtend gelben Kaktusblüten.  Dazu Bambus und Yuccapalmen, exotische Bäume und wilde Zwiebeln.

Nicht nur viele Hirsche kamen und grasten rund ums Haus, unter der Terrasse gab´s eine Höhle, die sich als Residenz eines Armadillos (Gürteltier) entpuppte.  Der Feigenbaum hinterm Haus war auch sehr beliebt.  Nachdem ständig Feigen vom Baum verschwanden, erwischte Heinrich eines Nachts den Dieb.  Es war ein Opossum (oder Beutelratte) die gemütlich im Baum saß und sich bei ihrer nächtlichen Mahlzeit nicht stören ließ. Ein Jahr später wurden vier junge Waschbären in dem gleichen Baum erwischt, nachdem sie Heinrich vorher aufgeweckt hatten, indem sie munter auf dem Hausdach rumtanzten.


Ja, nachts scheint in der Tierwelt noch mehr los zu sein, als am Tag.  Als Heinrich eines Sommerabends gegen elf Uhr bei 30 Grad in der Hängematte auf der Terrasse lag, kam eine Fledermaus geflogen.  Eine Fledermaus?  Nein!  Ein Nachtfalter von den Ausmaßen einer Fledermaus!  Die vier Geckos, die an der Hauswand saßen und mit großen Augen das (un)bekannte Flugobjekt verfolgten, warteten auf ihre Chance.  Die kam, als der Riesenfalter sich endlich an der Wand niederließ.  Die Geckos, nicht größer als der Nachtschwärmer selbst, schlichen sich mit krokodilartigen Bewegungen langsam an und der mutigste schnappte im richtigen Moment zu.  Da die Augen aber größer waren als der Magen und die Beute für ihn viel zu groß war, hatte der erschreckte Falter keine Probleme, von dannen zu flattern und den Gecko in konfuser Frustration zurückzulassen.   

Auf dem Mikrokosmos von einigen Quadratmetern Holzveranda gibt´s die Abenteuer von Stabheuschrecken und Gottesanbeterinnen zu bestaunen.  Und ständig entdeckt man neue, exotische, manchmal wirklich bizarre Formen von Insekten.

Auf dem Dach sitzt wieder der ein Meter große Uhu, der mit seinem "uuuhhh, uuuhhh" in angeregter Unterhaltung mit zweier seiner Kumpanen in einiger Entfernung den neuesten Klatsch austauscht.  Das blinkende Lichtermeer in grün dagegen kündet von der Präsenz der Glühwürmchen, die stattdessen lieber auf optische Kommunikation setzen.

Tagsüber kommen zahlreiche unbekannte Singvögel zur Vogeltränke, die wenige Meter hinter der Veranda angesiedelt ist.  Die Artenvielfalt und Farben der Federkleider läßt jeden Modeschöpfer vor Neid erblassen.  Besonders auffällig sind der leuchtend rote Kardinal (Dompfaff?), eine blaue Elster, grüne Finken, ein Specht mit rotem Hinterkopf,  Stare, Kleiber (?), zwei Sorten Wildtauben, und ein besonders buntes Exemplar mit allen erdenklichen Farben mit dem hiesigen Namen Buntling.  Auch der Rennkuckuck (Roadrunner oder Correcaminos, bekannt durch den Zeichentrickfilm), läßt sich ab und zu blicken.  Dazu schwirren lustige Kolibris von Blüte zu Blüte.

Wenige Kilometer weiter tummeln sich Kamele, Zebras, Antilopen, Llamas, Emus und Straußenvögel auf den vielen Ranchen, die exotisches Wild züchten.  Zu den einheimischen Tieren gehört die Herde Buffalos, die einige km östlich von hier in einem staatlichen Park, vor Jägern geschützt, grasen.  In diesem Park findet man auch die Sauer-Beckmann Farm, auf der Besucher das Leben der deutschen Pioniere in dem "Living History Museum" nachempfinden können.

Für einen Besucher aus Deutschland ist das (für Texas) zentralgelegene texanische Bergland voll von Überraschungen.  Eine Mischung aus deutscher und indianischer Kultur, aus wildem Westen und gemütlichen Biergärten, das Texas Hill Country und sein Zentrum Friedrichsburg bietet seinen alljährlich über eine Milionen Besuchern eine bunte Palette von Eindrücken.

Die Bücherei, untergebracht in dem eindrucksvollen, massiven Sandsteingebäude des ehemaligen Rathauses, beherbergt unter anderem zwei große Schränke voll mit deutschen Büchern, darunter viele von etwa 1820.  Das deutsche Kulturleben ist noch allgegenwärtig, in den zwei deutschen Chören wird deutsch gesungen und an den Stammtischen (z.B. der Old German Bakery) deutsch gesprochen.  Deutsches Essen (und Speisekarten) gibt´s in vielen Restaurants.  Die Marienkirche mit ihren schönen Bleiglasfenstern und die Heiliggeistkirche sind lohnenswerte Ziele eines Stadtrundgangs.  Interessant ist auch ein Besuch auf dem Stadtfriedhof, wo man viele Grabsteine mit deutschen Inschriften findet.

Ein Stück weiter westlich auf der Hauptstraße, schräg gegenüber vom Altdorf- Biergarten wartet eine Butterfly Ranch (Schmetterlings Ranch) auf Besucher und drei Straßen südlich davon gibt´s einen interessanten Kräutergarten mit Cafe.  Viele Geschäfte an der Hauptstraße laden zum Einkaufsbummel ein.

Im Frühling präsentiert sich das Land von seiner besten Seite.  Auf einer Fahrt zum Enchanted Rock, zur Willow City Loop oder den schönen Flüssen mit interessanten Felsformationen (und  Fischen wie ein Meter großen Welsen),  sieht man Hirsche, wilde Truthähne, Longhorn Rinder, Adler und Geier am intensiv blauen Himmel.  Eine Berglandschaft mit reichhaltiger Vegetation, die an die Toscana in Italien erinnert, erwartet den Besucher.

Kleine Weingüter und Pfirsichplantagen ziehen langsam vorbei und man landet eventuell in Luckenbach, wo Cowboys mit musischen Ambitionen ihre oft selbstkomponierten Songs unter der großen Eiche zum Besten geben.  Abends, nach dem manchmal spektakulären Sonnenuntergang bestaunen Sie den wegen der trockenen Wüstenluft klaren Sternenhimmel von der Veranda Ihres "Bed & Breakfast", wo Sie stilgerecht übernachten.  Und freuen sich auf den nächsten verwöhnenden Sonnentag, von denen es hier etwa 330 im Jahr gibt.


 

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