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Ist Euch beim Spaziergang
schon mal ein Armadillo über den Weg gelaufen? Oder ein Skunk oder
ein Waschbär? Vielleicht ein Roadrunner oder ein Opossum? In
Texas ist das nichts ungewöhnliches.
Als Heinrich vor sieben Jahren
von Deutschland hierher gezogen war und ein Stück Land 10 km östlich
von Friedrichsburg gekauft hatte, um dem deutschen Alljahreswetter zu entfliehen,
gab es viele neue Eindrücke und Erlebnisse. An dem Bach auf
seinem Grundstück zählte er 22 verschiedene Sorten Wildblumen
incl. der leuchtend gelben Kaktusblüten. Dazu Bambus und Yuccapalmen,
exotische Bäume und wilde Zwiebeln.
Nicht nur viele Hirsche kamen
und grasten rund ums Haus, unter der Terrasse gab´s eine Höhle,
die sich als Residenz eines Armadillos (Gürteltier) entpuppte.
Der Feigenbaum hinterm Haus war auch sehr beliebt. Nachdem ständig
Feigen vom Baum verschwanden, erwischte Heinrich eines Nachts den Dieb.
Es war ein Opossum (oder Beutelratte) die gemütlich im Baum saß
und sich bei ihrer nächtlichen Mahlzeit nicht stören ließ.
Ein Jahr später wurden vier junge Waschbären in dem gleichen
Baum erwischt, nachdem sie Heinrich vorher aufgeweckt hatten, indem sie
munter auf dem Hausdach rumtanzten.
| Ja, nachts scheint in der Tierwelt
noch mehr los zu sein, als am Tag. Als Heinrich eines Sommerabends
gegen elf Uhr bei 30 Grad in der Hängematte auf der Terrasse lag,
kam eine Fledermaus geflogen. Eine Fledermaus? Nein!
Ein Nachtfalter von den Ausmaßen einer Fledermaus! Die vier
Geckos, die an der Hauswand saßen und mit großen Augen das
(un)bekannte Flugobjekt verfolgten, warteten auf ihre Chance. Die
kam, als der Riesenfalter sich endlich an der Wand niederließ.
Die Geckos, nicht größer als der Nachtschwärmer selbst,
schlichen sich mit krokodilartigen Bewegungen langsam an und der mutigste
schnappte im richtigen Moment zu. Da die Augen aber größer
waren als der Magen und die Beute für ihn viel zu groß war,
hatte der erschreckte Falter keine Probleme, von dannen zu flattern und
den Gecko in konfuser Frustration zurückzulassen. |
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Auf dem Mikrokosmos von einigen
Quadratmetern Holzveranda gibt´s die Abenteuer von Stabheuschrecken
und Gottesanbeterinnen zu bestaunen. Und ständig entdeckt man
neue, exotische, manchmal wirklich bizarre Formen von Insekten.
Auf dem Dach sitzt wieder der
ein Meter große Uhu, der mit seinem "uuuhhh, uuuhhh" in angeregter
Unterhaltung mit zweier seiner Kumpanen in einiger Entfernung den neuesten
Klatsch austauscht. Das blinkende Lichtermeer in grün dagegen
kündet von der Präsenz der Glühwürmchen, die stattdessen
lieber auf optische Kommunikation setzen.
Tagsüber kommen zahlreiche
unbekannte Singvögel zur Vogeltränke, die wenige Meter hinter
der Veranda angesiedelt ist. Die Artenvielfalt und Farben der Federkleider
läßt jeden Modeschöpfer vor Neid erblassen. Besonders
auffällig sind der leuchtend rote Kardinal (Dompfaff?), eine blaue
Elster, grüne Finken, ein Specht mit rotem Hinterkopf, Stare,
Kleiber (?), zwei Sorten Wildtauben, und ein besoders buntes Exemplar mit
allen erdenklichen Farben mit dem hiesigen Namen Buntling. Auch der
Rennkuckuck (Roadrunner oder Correcaminos, bekannt durch den Zeichentrickfilm),
läßt sich ab und zu blicken. Dazu schwirren lustige Kolibris
von Blüte zu Blüte.
Wenige Kilometer weiter tummeln
sich Kamele, Zebras, Antilopen, Llamas, Emus und Straußenvögel
auf den vielen Ranchen, die exotisches Wild züchten. Zu den
einheimischen Tieren gehört die Herde Buffalos, die einige km östlich
von hier in einem staatlichen Park, vor Jägern geschützt, grasen.
In diesem Park findet man auch die Sauer-Beckmann Farm, auf der Besucher
das Leben der deutschen Pioniere in dem "Living History Museum" nachempfinden
können.
Für einen Besucher aus Deutschland
ist das (für Texas) zentralgelegene texanische Bergland voll von Überraschungen.
Eine Mischung aus deutscher und indianischer Kultur, aus wildem Westen
und gemütlichen Biergärten, das Texas Hill Country und sein Zentrum
Friedrichsburg bietet seinen alljährlich über eine Milionen Besuchern
eine bunte Palette von Eindrücken.
Die Bücherei, untergebracht
in dem eindrucksvollen, massiven Sandsteingebäude des ehemaligen Rathauses,
beherbergt unter anderem zwei große Schränke voll mit deutschen
Büchern, darunter viele von etwa 1820. Das deutsche Kulturleben
ist noch allgegenwärtig, in den zwei deutschen Chören wird deutsch
gesungen und an den Stammtischen (z.B. der Old German Bakery) deutsch gesprochen.
Deutsches Essen (und Speisekarten) gibt´s in vielen Restaurants.
Die Marienkirche mit ihren schönen Bleiglasfenstern und die Heiliggeistkirche
sind lohnenswerte Ziele eines Stadtrundgangs. Interessant ist auch
ein Besuch auf dem Stadtfriedhof, wo man viele Grabsteine mit deutschen
Inschriften findet.
Ein Stück weiter westlich
auf der Hauptstraße, schräg gegenüber vom Altdorf- Biergarten
wartet eine Butterfly Ranch (Schmetterlings Ranch) auf Besucher und drei
Straßen südlich davon gibt´s einen interessanten Kräutergarten
mit Cafe. Viele Geschäfte an der Hauptstraße laden zum
Einkaufsbummel ein.
Im Frühling präsentiert
sich das Land von seiner besten Seite. Auf einer Fahrt zum Enchanted
Rock, zur Willow City Loop oder den schönen Flüssen mit interessanten
Felsformationen (und Fischen wie ein Meter großen Welsen),
sieht man Hirsche, wilde Truthähne, Longhorn Rinder, Adler und Geier
am intensiv blauen Himmel. Eine Berglandschaft mit reichhaltiger
Vegetation, die an die Toscana in Italien erinnert, erwartet den Besucher.
Kleine Weingüter und Pfirsichplantagen
ziehen langsam vorbei und man landet eventuell in Luckenbach, wo Cowboys
mit musischen Ambitionen ihre oft selbstkomponierten Songs unter der großen
Eiche zum Besten geben. Abends, nach dem manchmal spektakulären
Sonnenuntergang bestaunen Sie den wegen der trockenen Wüstenluft klaren
Sternenhimmel von der Veranda Ihres "Bed & Breakfast", wo Sie stilgerecht
übernachten. Und freuen sich auf den nächsten verwöhnenden
Sonnentag, von denen es hier etwa 330 im Jahr gibt.
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